Sonntag, 21. Februar 2016

Kino auf dem Teller: White Cake

Heute widmen wir uns einem Regisseur, der irgendwo zwischen Blaxploitation-Grindhouse, modernisiertem Film noir, Kung Fu Film und Spagetti Western all diejenigen Filme zitiert, mit denen ich aufgewachsen bin und die ich bis heute liebe: Quentin Tarantino.

Vom Filmprojektor meines Vaters, auf dem neben Märchenfilmen auch Dutzende Western und Mantel- und Degenfilme liefen, die unsere Kinderfantasie ordentlich anheizten, bis hin zu meiner heutigen Vorliebe für neo noir, Guts ´n Gore Trash und billig produzierten Grindhouse; all das finde ich in einem Tarantino Film wieder.

Und während ein Peter Jackson vom Hinterhofregisseur der Trash Klassiker Meet the Feebles und Braindead zum Hollywood Liebling aufsteigt, der Millionen für Filme wie King Kong oder Der Hobbit raushaut, nimmt Tarantino alles Merkwürdige, was er im Abseits des Kinos der 1960 und 70er Jahre findet und trägt es in den Mainstream.

Der wiederum reagiert teilweise schockiert. Tarantino wird immer wieder vorgeworfen, seine Filme seien Gewalt verherrlichend bzw. verharmlosend, würden sich über Sterben und Tod lustig machen. Tatsächlich ist Gewalt Mittel zum Zweck: großflächige Blutflecken funktionieren in Tarantino Filmen als Eyecatcher, als ikonische Farbe, sogar als Teil der Mise en Scène.

Für mich ist Tarantino mehr als der bloße body count seiner Filme (auch wenn dieser hoch ist). Tarantino ist ein Handwerker des klassischen Kinos, der nicht nur mit Vorliebe auf Breitfilm (der aktuelle Film The hateful eight ist auf 70mm gedreht) produziert, sondern auch eine gesunde Aversion gegen alle digitalen Spezialeffekte hegt. Wenn Kunstblut und -gedärm in einem Tarantino rumfliegen sollen, dann fliegt es auch tatsächlich rum und wird nicht nachträglich am Computer eingefügt. Jeder einzelne Tarantino Film ist filmkünstlerische Handarbeit.


Das heutige Rezept stammt aus dem vorletzten Tarantino Film, Django Unchained. Auch wenn das Thema ernst ist: immer wieder finden sich im Film Szenen, die so bescheuert albern sind, dass man lachen muss, z.B. als Django sich seine neue Kleidung aussuchen darf und danach aussieht wie ein Lakai aus dem viktorianischen Zeitalter der mit seiner Zeitmaschine noch schnell einen Abstecher in die Disco Szene der 70er gemacht hat.
Oder als die Schergen eines Plantagenbesitzers sich über die schlecht sitzenden Masken beschweren, "I can´t see fucking shit", woraufhin einer von ihnen beleidigt abzieht, weil seine Frau den ganzen Tag an den Masken "for you ungrateful sons of bitches" gearbeitet hat.

Beim Oberschurken (großartig gespielt von Leonardo Di Caprio!) gibt es schließlich ein Dessert, White Cake. Und das backen wir heute nach :)


Der White Cake ist ein klassisches amerikanisches Dessert, das tatsächlich vor allem im Süden der USA kredenzt wird. Das Konzept an sich ist einfach: fluffiger Biskuit mit einer frischen Sahne Frischkäsecreme. Fein wird das ganze durch viel echte Vanille.
Und weil wir uns hier immer noch bei Tarantino befinden, kommt meine Version mit einigen Spritzern Kunstblut daher :)


Zutaten
(für eine 18er Springform)

für den Biskuit
1 Vanilleschote
170 g Mehl (Weizen 550 oder Dinkel 630)
1 EL Backpulver
140 g Zucker
30 ml Rapsöl (oder anderes geschmacksneutrales Öl)
180 ml sehr sprudeliges Mineralwasser

für die Füllung
400 g veganen Sauerrrahm (z.B. von Soyananda)
140 g veganen Frischkäse
1 Vanilleschote
80 g Puderzucker
1/2 TL Zitronensaft


Heizt den Ofen auf 180°C vor und legt eine kleine Springform mit Backpapier aus.

Halbiert die Vanilleschote längs und mischt das Mark mit Mehl, Backpulver und Zucker.

Rührt das Öl und das Mineralwasser unter, bis ihr einen geschmeidigen, homogenen Teig habt.

Füllt den Teig in die Springform und backt den Biskuit für etwa 40 Minuten. Lasst ihn anschließend wenn möglich im Backofen auskühlen.


Für die Füllung mischt ihr einfach den Sauerrahm, den Frischkäse und den Zitronensaft mit dem Mark einer weiteren Vanilleschote, siebt den Puderzucker darüber und verrührt alles.

Schneidet den Biskuitboden zweimal horizontal durch (das geht hervorragend mit der e-Saite einer Gitarre).

Bestreicht den unteren Boden mit einem Drittel der Frischkäsecreme, setzt den zweiten Boden auf, streicht wieder ein Drittel der Creme darauf und setzt abschließend den "Deckel" auf.

Bestreicht Euren White Cake rundum mit dem Rest der Creme und stellt ihn bis zum Servieren kalt.


Und wenn ihr jetzt Lust auf Tarantino bekommen habt, aber noch nie einen Tarantino gesehen habt, schlage ich vor, mit Tarantinos Beitrag "The Man from Hollywood" im Episodenfilm Four Rooms anzufangen. Zwanzig Minuten die volle Tarantino Breitseite in Casting, Story, Witz und Gewalt. Garniert mit einem fast nicht erkennbaren Bruce Willis.
Und dem unvermeidbaren Auftritt Tarantinos selbst, den er sich in keinem seiner Filme nehmen lässt :)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Senf dazu? Aber gern!
Ich freue mich über jeden Kommentar und Fragen, Kritik, Wünsche und Anregungen sind immer willkommen :)

Für dringende (oder ganz geheime) Anfragen könnt ihr mir auch eine Mail schicken:
kuechenmamsellblog (at) gmail.com